„Mobi­li­tät muss ein­fach, ver­läss­lich und erreich­bar sein!“

Inter­view mit der Geschäfts­füh­rung des saarVV im Som­mer 2025

Thor­sten Gund­acker, Chri­sti­an Schmeer und Arne Bach spre­chen über Per­spek­ti­ven, Prio­ri­tä­ten und Her­aus­for­de­run­gen für den saarVV, den ÖPNV im Saar­land – und dar­über hin­aus.

Herr Gund­acker, Herr Schmeer, Herr Bach – Sie füh­ren nun seit über einem Jahr gemein­sam den saarVV. Was ist Ihnen in die­ser Zeit beson­ders wich­tig gewor­den?

Thor­sten Gund­acker: Uns ist wich­tig, dass wir als Team sicht­bar machen: Der saarVV ist mehr als nur Ver­wal­tung oder Tarif­ma­nage­ment. Wir ste­hen für Mobi­li­tät, die für die Men­schen im Saar­land ein­fach nutz­bar, ver­läss­lich und erreich­bar ist. Jeder von uns bringt dabei sei­ne eige­nen Stär­ken ein – Ver­trieb, Markt oder Stra­te­gie. Das ist manch­mal auch ein span­nen­der Aus­tausch, aber gera­de die­se Mischung macht uns stark.

2024 war das zwei­te Jahr mit dem Deutsch­land-Ticket. Wie hat sich das auf die Men­schen und auf den saarVV aus­ge­wirkt?

Thor­sten Gund­acker: Das Deutsch­land-Ticket hat den All­tag vie­ler Men­schen erleich­tert. Man merkt: Wenn es ein­fach ist, wird der ÖPNV auch genutzt. Unse­re Fahr­gä­ste schät­zen die unkom­pli­zier­te Hand­ha­bung – sei es als Job-Ticket, Jun­ge-Leu­te-Ticket oder als klas­si­sches Abo. Dass Tickets heu­te digi­tal über die Saar­fahr­plan-App lau­fen und man Infos in Echt­zeit bekommt, das wird inzwi­schen ganz selbst­ver­ständ­lich erwar­tet. Wir arbei­ten stän­dig dar­an, die­sen Zugang noch ein­fa­cher zu machen.

Herr Schmeer, die Finan­zie­rung des ÖPNV ist bun­des­weit ein The­ma. Wie sieht das im Saar­land aus?

Chri­sti­an Schmeer: Die Unter­neh­men im ÖPNV ste­hen – wie ande­re Ver­bün­de auch – sowohl auf der Kosten- als auch auf der Ein­nah­men­sei­te unter aku­tem Hand­lungs­druck. Kosten­stei­ge­run­gen in den letz­ten Jah­ren sind ins­be­son­de­re auf höhe­re Ener­gie­prei­se, den Anstieg der Per­so­nal­ko­sten sowie zwin­gend not­wen­di­ge Ersatz­in­ve­sti­tio­nen in die Infra­struk­tur und die damit ver­bun­de­nen Kapi­tal­ko­sten zurück­zu­füh­ren. Die­se Kosten­stei­ge­run­gen las­sen sich nicht durch Umsatz­stei­ge­run­gen kom­pen­sie­ren. So bleibt auf der Ein­nah­men­sei­te die dau­er­haf­te Finan­zie­rung des Deutsch­land-Tickets auch über 2025 hin­aus wei­ter­hin eine Her­aus­for­de­rung und ist von pla­ne­ri­scher Unsi­cher­heit geprägt. Zusätz­lich füh­ren die hohen Inve­sti­tio­nen in die Trans­for­ma­ti­on der Antriebs- und Mobi­li­täts­wen­de zu einem dra­stisch erhöh­ten Ver­lust­aus­gleichs- bzw. Finan­zie­rungs­be­darf der Ver­kehrs­un­ter­neh­men. Es braucht eine dau­er­haf­te, pla­nungs­si­che­re Finan­zie­rung des Gesamt-ÖPNV. Dazu braucht es eine Wei­ter­ent­wick­lung des ord­nungs­po­li­ti­schen Rah­mens und eine fai­re ÖPNV-Finan­zie­rung zwi­schen Bund, Län­dern, Kom­mu­nen und Ver­kehrs­be­trie­ben.

Herr Bach, Sie ver­ant­wor­ten die stra­te­gi­sche Ange­bots­pla­nung. Was liegt Ihnen dabei beson­ders am Her­zen?

Arne Bach: Mir ist wich­tig, dass wir zei­gen, wie stark der saarVV als Gemein­schaft ist. Unse­re Ver­kehrs­un­ter­neh­men arbei­ten eng zusam­men – sei es durch ein­heit­li­che Fahr­zeug­be­schrif­tung, gemein­sa­me Dienst­klei­dung oder abge­stimm­te Kun­den­ser­vices. Die­ses gemein­sa­me Bran­ding hat Aus­wir­kun­gen auf die Wahr­neh­mung des saarVV bei den Fahr­gä­sten. Unab­hän­gig davon, mit wel­chem Unter­neh­men sie unter­wegs sind, sie erken­nen, dass der saarVV als Ver­kehrs­ver­bund dazu­ge­hört. Der Ver­bund ist Vor­aus­set­zung, um gemein­sam gro­ße Pro­jek­te zu stem­men, wel­che das gan­ze Saar­land betref­fen.

Digi­ta­li­sie­rung ist in aller Mun­de. Wo steht der saarVV hier?

Thor­sten Gund­acker: Wir haben in den letz­ten Jah­ren gro­ße Fort­schrit­te gemacht: digi­ta­les Abo, mobi­le Bezah­lung, fäl­schungs­si­che­re Tickets. Echt­zeit­in­for­ma­tio­nen gehö­ren inzwi­schen genau­so dazu wie die Mög­lich­keit, Abos direkt in digi­ta­le Wal­lets wie Apple Pay zu inte­grie­ren. Unser Ziel ist es, den Zugang so ein­fach wie mög­lich zu machen: eine App, ein Zugang, alle Mobi­li­täts­an­ge­bo­te.

Wel­che Rol­le spielt der saarVV als Bin­de­glied zwi­schen Ver­kehrs­un­ter­neh­men, Poli­tik und Fahr­gä­sten?

Chri­sti­an Schmeer: Wir ver­ste­hen uns als Platt­form, Impuls­ge­ber und Inter­es­sens­ver­tre­tung zugleich. Der Ver­bund­ge­dan­ke lebt davon, dass wir gemein­sam han­deln – mit Ver­kehrs­un­ter­neh­men, Auf­ga­ben­trä­gern, Poli­tik, aber auch mit Fahr­gä­sten und Bür­gern. Gemein­sam arbei­ten wir an Stan­dards für Daten, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pla­nung – damit aus Viel­falt eine nach­hal­ti­ge Ver­bund­kraft wird.

Qua­li­tät ist für Fahr­gä­ste ent­schei­dend. Wie gehen Sie die­ses The­ma an?

Arne Bach: Ganz ehr­lich: Qua­li­tät ist kein fer­ti­ges Pro­dukt, son­dern ein lau­fen­der Pro­zess. Wir set­zen auf Pünkt­lich­keit, gute Anschlüs­se und trans­pa­ren­te Infor­ma­ti­on. Mit Echt­zeit­da­ten, KI-gestütz­ten Pro­gno­sen und regel­mä­ßi­gem Fahr­gast­feed­back haben wir Werk­zeu­ge, die uns hel­fen, bes­ser zu wer­den. Wich­tig ist: Wir wol­len zuhö­ren und reagie­ren.

The­ma Nach­hal­tig­keit: Der VDV spricht vom „kli­ma­star­ken“ ÖPNV 2030. Was bedeu­tet das für den saarVV?

Thor­sten Gund­acker: Digi­ta­li­sie­rung ist hier ein ech­ter Trei­ber – weni­ger Papier, effi­zi­en­te­re Abläu­fe, smar­te­re Pla­nung.

Chri­sti­an Schmeer: Der ÖPNV ist bereits heu­te ein wesent­li­cher Bestand­teil zur Nach­hal­tig­keit und Umwelt­freund­lich­keit. Dane­ben setz­ten die Ver­kehrs­un­ter­neh­men im saarVV auf lang­fri­sti­ge Inve­sti­tio­nen in sau­be­re Fahr­zeug­flot­ten – etwa mit E- und Was­ser­stoff­bus­sen – sowie auf inno­va­ti­ve Finan­zie­rungs­mo­del­le.

Arne Bach: Unser Ziel ist klar: Je attrak­ti­ver unser Ange­bot, desto mehr Men­schen stei­gen vom Auto um. Und genau das ist der wich­tig­ste Bei­trag zum Kli­ma­schutz.

Wenn Sie nach vorn schau­en: Wo soll der saarVV 2030 ste­hen?

Thor­sten Gund­acker: Mobi­li­tät soll so ein­fach wie mög­lich sein – digi­tal ver­netzt, für alle zugäng­lich.

Chri­sti­an Schmeer: Ein für die Kun­den ein­fach und ver­ständ­lich nutz­ba­rer ÖPNV, der gesell­schaft­lich breit unter­stützt und dau­er­haft gesi­chert ist – als Teil der öffent­li­chen Infra­struk­tur.

Arne Bach: Und dass der saarVV ver­bin­det – nicht nur Orte, son­dern auch Men­schen und Chan­cen.